Pressemitteilung: Goldene und Diamantene Meisterbriefe für jahrzehntelanges Handwerk

Hügelsheim. Jahrzehnte im Handwerk, jahrzehntelange Erfahrung und viele Geschichten aus dem Berufsleben: Bei der Goldenen und Diamantenen Meisterfeier der Kreishandwerkerschaft Mittelbaden und der Handwerkskammer Karlsruhe standen die Menschen hinter den Meisterbriefen im Mittelpunkt. Im Landgasthof Hirsch in Hügelsheim wurden in diesem Jahr 33 Jubilare für ihre langjährige Verbundenheit mit dem Handwerk geehrt.

Den Reigen der Grußworte eröffnete Nadine Jülg-Schenkel, Kreishandwerksmeisterin der Kreishandwerkerschaft Mittelbaden. Anschließend richteten Karsten Lamprecht, Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe, und Alexander Wieland, Erster Bürgermeister der Stadt Baden-Baden, ihre Worte an die Jubilare und Gäste. Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die Übergabe der Meisterbriefe. Zunächst wurden die Goldenen, danach die Diamantenen Meisterbriefe sowie eine Eiserne Ehrenurkunde überreicht. Einen persönlichen Blick auf die beruflichen Werdegänge der Jubilare warf Kreishandwerksmeisterin Nadine Jülg-Schenkel in ihren Laudationes. Die Geschichten aus teils mehr als einem halben Jahrhundert Handwerksleben sorgten dabei für Überraschungen, Schmunzeln und Staunen unter den Gästen.

Die Jubilare repräsentierten zahlreiche unterschiedliche Gewerke. Vertreten waren unter anderem das Kraftfahrzeugmechaniker-, Elektroinstallateur- und Friseurhandwerk sowie das Fleischer-, Bäcker-, Tischler-, Dachdecker-, Maurer- und Zimmererhandwerk. Hinzu kamen Fachleute aus spezialisierten Gewerken wie Feinmechanik, Werkzeugmacherei und Uhrmacherei. Folgende Beispiele machen deutlich, wie vielfältig das Handwerk in der Region aufgestellt ist:

Josef Huber aus Durmersheim wurde mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt. Sein Weg im Dachdeckerhandwerk begann 1955 mit der Ausbildung. Nach dem Wehrdienst absolvierte er 1967 berufsbegleitend den Meisterkurs und machte sich ein Jahr später mit einem eigenen Betrieb selbstständig. Huber engagierte sich früh für seinen Berufsstand: Er war Mitglied der Dachdeckerinnung Karlsruhe, sechs Jahre deren Obermeister und anschließend Ehrenobermeister. Auch die Ausbildung junger Menschen gehörte über viele Jahre zu seinem Berufsalltag. Die Familientradition setzt sich bis heute fort: Seine Söhne übernahmen den Betrieb.

Heinz Zerkaulen aus Muggensturm konnte sein Diamantenes Meisterjubiläum im Uhrmacherhandwerk feiern. Seine Ausbildung schloss er 1957 in Aachen als Kammer- und Landessieger in Nordrhein-Westfalen ab. Sieben Jahre später legte er in Hamburg die Meisterprüfung ab. Als Meisterstück fertigte er eine Tischuhr mit Schauwerk, für die er rund 400 Stunden benötigte. Die filigrane Arbeit mit Kleinstteilen überzeugte die Prüfungskommission – Zerkaulen erhielt die Note 1,0. Sein weiterer Berufsweg führte ihn von der Selbstständigkeit über die Tätigkeit als Diamantgutachter bis zum Serviceleiter nach Süddeutschland. Mehr als sechs Jahrzehnte prägten so Präzision, handwerkliches Können und technisches Verständnis seinen Berufsweg.

Lothar Reiß aus Haueneberstein erhielt einen Eisernen Meisterbrief für 70 Jahre Meisterschaft im Friseurhandwerk. Seine Laufbahn begann als Friseurgehilfe. 1956 absolvierte er in Hamburg-Trittau eine Schulung zum Friseurmeister im Internat, die damals rund 5.000 D-Mark ohne Zuschüsse kostete. Noch im selben Jahr gründete Reiß gemeinsam mit seiner Ehefrau einen eigenen Betrieb. 1962 bezog das Ehepaar ein Haus in Haueneberstein, in dem auch der Friseursalon eingerichtet wurde. Reiß beschäftigte mehrere Mitarbeiter und bildete zahlreiche Lehrlinge aus. 1993 ging er in den Ruhestand. Der Salon blieb dem Handwerk erhalten: Ein junger Friseurmeister mietete die Räume und führt ihn bis heute in der Hauenebersteiner Bahnhofstraße weiter.

„So unterschiedlich die Berufe der Jubilare sind, verbindet sie eine lange Zeit im Handwerk. Viele haben Betriebe aufgebaut, Mitarbeiter beschäftigt, Lehrlinge ausgebildet oder sich über ihre eigene berufliche Tätigkeit hinaus für ihre Innungen engagiert. Die Meisterjubiläen würdigen damit nicht nur persönliche berufliche Leistungen, sondern auch die Weitergabe von Wissen und Erfahrung über Generationen hinweg“, so Jülg-Schenkel zum Abschluss der Ehrung.

Nach dem offiziellen Teil kamen die Jubilare und ihre Gäste zum gemeinsamen Abendessen zusammen. Den Abschluss bildete das gesellige Beisammensein mit Gelegenheit zu Gesprächen und zum Austausch über die gemeinsamen Jahre im Handwerk.

Text: Kreishandwerkerschaft Mittelbaden

Bild: Michael Frank

Navi­gation